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Tagebuch – Ausreinigung der Domorgel

Die Rieger-Orgel im Essener Dom wurde ausgereinigt

Mittwoch, 9. Mai: Orgelausreinigung im geplanten Zeitrahmen abgeschlossen

 

Am heutigen Mittwoch, den 9. Mai 2018, fand die Ausreinigung der 2004 von der Orgelbaufirma Rieger aus Schwarzach/Vorarlberg erbauten Orgel im Hohen Dom zu Essen ihren Abschluss: im Laufe des 8. Mai wurde schon der Transporter mit Werkzeug und Arbeitsgerät beladen, einige letzte Arbeiten wie das Einregulieren der elektrischen Spieltraktur waren zu erledigen, sodass nach dem letzten Beistimmen einiger Zungenpfeifen im Auxiliaire heute Vormittag die Arbeiten wie geplant ihr Ende fanden.

 

Damit ging eine erfüllte und erfüllende Zeit zu Ende: intensiv war der persönliche Austausch, ob zu technischen, handwerklichen, musikalischen oder ganz anderen Fragen, fordernd war die Aufgabe, in dieser doch recht kurzen Zeit das Instrument wieder auf Vordermann zu bringen und gleichzeitig den einzigartigen, so lebendigen Klangcharakter zu bewahren, anregend manche Gespräche bei Wein und Abendessen, bereichernd so viele Stunden im Dom mit seiner über tausendjährigen Geschichte.

Bereits das erste Spiel am gestrigen Dienstag – als erstes komplettes Werk erklangen die „Litanies“ von Jehan Alain – zeigte, dass die Arbeiten als vollauf geglückt gelten dürfen: die Orgel klingt einerseits wieder frisch und präsent und bietet andererseits immer noch alle Abschattierungsmöglichkeiten und Feinheiten in An- und Absprache, die sich der Spieler wünscht. Dabei ist der Klang nicht härter geworden, sondern lediglich wieder etwas konkreter, hat aber die Patina erhalten: die Orgel atmet die Geschichte ihres 14-jährigen Erklingens in der Kathedralkirche des Ruhrbistums und kann nun wieder viele Jahre und Jahrzehnte zur größeren Ehre Gottes und Freude der Menschen erklingen.

 

 

Mit einigen bildlich festgehaltenen Impressionen endet nun dieses kleine Tagebuch.

 

 

Blick auf den Spieltisch, die Schaltzentrale des herrlichen Instruments. Die Tasten sind unterschiedlich gefärbt nicht ungenügender Reinigung seitens der Orgelbauer wegen, sondern weil ihr Werkstoff (Bein, also Knochen) naturbelassen blieb.

 

 

Nachpoliert: Orgelbank und Pedale, ebenso die Pistons. Idealtypisch ist ihre Anlage: links die Normalkoppeln, nach Werken geordnet und innerhalb der Werke ansteigend (also I/P, II/P, III/P, IV/P etc.), mit beiden Füßen gut erreichbar in der Mitte Sequenzer vorwärts und rückwärts, darüber die Walze, dann die beiden Schwelltritte und rechts die Kombinationstritte 1-8. Alles liegt perfekt zum Fuß.

 

 

„Klangmuschel“ des Spieltischs und Prospektpfeifen des Prinzipal 16′ im Hauptwerk.

 

 

Blick auf die Spieltrakturen von Pedal (horizontal, rechtwinklig geführt) und Diskantlade im Schwellwerk

 

 

Rückseite des Spieltischs mit „Orgelfremdem“: das kleine weiße Kästchen ist die Funkeinheit zur Bedienung der Liedanzeiger im Dom.

 

Blick vom Pedalwerk zur Empore. Diese schmale Glasjalousie ist das einzige, das den Klang des Pedals halbwegs direkt an den Organisten rückmeldet – entsprechend heikel ist die Klangkontrolle, da man stets geneigt ist, das Pedal viel zu stark zu registrieren. Hier schon sichtbar im Vergleich zum Zustand vor zwei Wochen: die Glasjalousien sind bereits wieder verstaubt.

 

 

Eine der letzten Tätigkeiten der Orgelbauer: den zur Stimmung der Hauptorgel neu eingesetzten Luftfilter (stehend) austauschen. Dieser Filter war jetzt gut dreieinhalb Wochen an Ort und Stelle.

 

 

Blick ins Schwellwerk: vorn die Zungen (Oboe mit Deckel), dann die hohen Labialen, der gedeckte Bourdon 8′ und ganz hinten das Gemshorn 16′.

 

 

Blick in die Basslade des Schwellwerks.

 

 

Erst im Verlauf der Arbeiten wurden diese Aufsteller in die Seitengänge gestellt – die Akustik des Doms ist so feinhörig, dass ein Arbeiten für die Orgelbauer anders nicht möglich war.

 

 

Wieder in der Nische im Westwerk: das Stimmmanual des Auxiliaire – in wenigstens zwei Konzerten (DIMENSION DOMORGEL I 2014: „Vier Orgeln und vier Organisten“ bzw. DIMENSION DOMORGEL II 2017 „Bachpreisträger in concert“) kam es aber auch schon zu konzertanten Ehren.

 

 

Das Gerüst ist abgebaut und gibt den Blick auf das Auxiliaire, mit seinen zwölf Registern immerhin ähnlich präsent und klangstark wie die Hauptorgel mit ihren 57 Stimmen, frei.

 

 

Blick ins Auxiliaire; vorwitzig hervorstehend Gedecktbass 8′ bzw. 16′. Die Bombarden 16′, 8′ und 4′ dürfen jetzt ihrer Mensurierung entsprechend erklingen und können so fast den Posaunen von Jericho gleich wirken.

 

 

Fast 40 Tage nach Ostern wieder in voller Klangschönheit zu erleben: die Essener Domorgel.

 

 

 

 

Tagebuch der Ausreinigung

 

Zwischen Dienstag in der Osterwoche und Dienstag vor Christi Himmelfahrt wird die Domorgel von Orgelbauern der Erbauerfirma Rieger Orgelbau (Schwarzach/Vorarlberg) ausgereinigt.

Dabei werden alle 5102 Pfeifen sowie das komplette Innenleben des Instruments von Staub, Kerzenruß und Weihrauch befreit, bevor es gilt, Stimmung und Intonation in alter Pracht wiederherzustellen, sodass die Orgel auch in den nächsten Jahrzehnten Liturgie und Konzert mit ihrem herrlichen Klang bereichern kann.

 

 

Work in progress – Montag, 30. April bis Dienstag, 8. Mai

Diese letzte Woche der Orgelausreinigung ist geprägt von harter Arbeit: mit Stephan Niebler und Daniel Orth stoßen die Orgelbauer zum Team, die sich um die Zungenstimmen der Domorgel kümmern sollen.

Angesichts des knapper werdenden Zeitrahmens erfolgen die Arbeiten nun in Doppelschichten – morgens und tagsüber werden die Zungen bearbeitet, nachmittags, abends und bis in die Nacht (teilweise gar bis weit nach Mitternacht) arbeiten Michael Fritsch und Karl Görnitz weiter an den Labialpfeifen.

 

 

Hierbei sind auch schwierige Entscheidungen zu treffen und viele Gespräche zu führen: wie sich herausstellt, sind beispielsweise die Zungenblätter der Trompete 8′ im Hauptwerk der Hauptorgel nicht der Bauweise des Registers entsprechend ge- und bearbeitet, sondern weitgehend modifiziert. Da anfangs nicht klar ist, ob dieser manchmal gar etwas improvisiert wirkende Zustand der originale ist, wird anhand einiger Pfeifen der Klang, wie er Mensur und Bauweise des Registers eigentlich entsprechen würde, realisiert. Und hier erweist sich dann, dass – analog dazu ist in Erfahrung zu bringen, dass dieses Register (es entspricht in der Mensur der Bombare 8′ im Auxiliaire) wohl seit der Orgelweihe nicht mehr klanglich verändert wurde – diese ursprüngliche Mensurierung für Raum und Instrument verhältnismäßig viel zu kräftig ist und zwar als Solist hervorragende Wirkung erzielen könnte, klanglich aber nicht mehr in die Hauptorgel zu integrieren wäre.

 

Wie nun bei der ersten Intonation viele ungewöhnliche, äußerst kreative Maßnahmen nötig waren, um dieses Register in den Gesamtklang einzubinden, fällt auch bei der Ausreinigung der einmütig gefasste Entschluss, diesen Status quo ante herzustellen und die Zungenstimmen in der gesamten Hauptorgel in dieser Weise in ihrer Klanglichkeit zu belassen, die technische und klangliche Funktionsfähigkeit – dazu gehört auch die Stimmbarkeit bzw. Stimmhaltung – aber zu sichern. Lediglich einige Anpassungsarbeiten innerhalb der Registerverläufe sind nötig – ansonsten aber präsentiert sich die Hauptorgel in den Zungenstimmen grundsätzlich wie im Jahr 2004.

 

Mit Lötzinn bearbeitetes Zungenblatt der Trompete – Stand VOR der Ausreinigung. Zungenblätter wie dieses wurden ausgetauscht und eine ähnliche Wirkung mit anderen Hilfsmitteln wie kleinen Papierröllchen erzielt.

 

Erhebender Anblick am Sonntag, 6. Mai: während in der Vorabendmesse noch keine Mixtur zu verwenden war, stehen ab jetzt das Pedal und das Hauptwerk uneingeschränkt zur Verfügung.

 

 

 

 

 

22. Tag – Samstag, 28. April

Das Stimmen und die intonatorische Feinarbeit des Labialwerks schreitet gut voran – es wird nicht mehr lange dauern, bis auch das Schwellwerk wieder alle Grundstimmen bietet.

 

Orgelbauers Werkzeug: vorn sichtbar sind die gedeckten Pfeifen des Bourdon 8′ im Schwellwerk, dahinter die engen Streicherregister

 

21. Tag – Freitag, 27. April

 

Eine große Überraschung am Morgen: seit dieser Nacht sind alle Grundstimmen im Hauptwerk und Positiv wieder spielbar, ebenso Cornet (HW), Sesquialtera (Positiv) und Untersatz 32′, Principal 16′, Subbass 16′ und Principal 8′ im Pedal.

 

Linke Registerstaffel – markiert sind die noch nicht wieder spielbaren Register; teils sind sie noch ausgebaut, teils stehen sie zwar wieder in der Orgel, sind aber noch nicht gestimmt und intoniert. Ein reizvolles Detail am Rande: links sichtbar sind die Schalter für Hauptorgel (oberer Kopf; Dompropst em. Prälat Günter Berghaus) und Auxiliaire (unterer Kopf; Rendantin Elisabeth Strank) – hier sind die für den Bau dieses Instruments so wichtigen Personen verewigt.

 

Rechte Registerstaffel – gut sichtbar: die Druckknöpfe unter den einzelnen Abteilungen des Auxiliaires. Mit diesen sogenannten Floating Divisions lässt sich nach Belieben jede Abteilung auf jedem Manual anspielen: die sich daraus ergebenden klanglichen Möglichkeiten sind immens!

 

Blick in den wiedererrichteten Pfeifenwald im Hauptwerk – die im Vordergrund stehenden Zungen harren noch der Überarbeitung, die Mixturen warten noch auf Stimmung und Angleichung, aber dann ist bald wieder das komplette Manual spielbar.

 

 

 

 

 

20. Tag – Donnerstag, 26. April

 

Heute wurde nun die lang erwartete Schmutzanalyse vorgenommen – mit Abstrichen an einer noch nicht gereinigten Glasjalousie, im Korpus von Pfeifen des Registers Fagott 16′ im Pedal, analog dazu an Pfeifen des Bombardwerks im Auxiliaire und an einer Holzfläche im Auxiliaire.

So erhoffen wir uns Erkenntnisse darüber, welcher Schmutz quasi von außen eingebracht wird (Glasjalousie), was durch das Windsystem der Orgel kommt (Pfeifenwerk) und wie es grundsätzlich im Auxilaire aussieht (Holzwand des Hochdruckwerks).

 

Die Probe des Pfeifenwerks in der Hauptorgel wird mit einem Papiertuch genommen. Ein weiteres, „sauberes“ Papiertuch geht ebenfalls ans Institut, sodass eine Zuordnung des Nicht-Papiernen möglich ist.

 

Die Wichtigkeit dieser Analysearbeiten wird durch diesen Anblick untermauert: der Filter wird täglich grauer und verschmutzter.

 

 

 

 

 

19. Tag – Mittwoch, 25. April

 

Die Stimmung der Hauptorgel schreitet gut voran; mittlerweile stehen auch die Grundstimmen im Positiv im Fokus der Orgelbauer.

Das Auxiliaire präsentiert sich derweil bereits abgesaugt, aber noch nicht ausgewischt und erlaubt den Blick auf die Lade (Pitman-Bauart) des Gedecktbass 16′ sowie auf die doppelte Labiierung der Doppelflöte (dem Namen fast widersprechend ist die Mehrzahl der Pfeifen gedeckt und nicht offen gebaut).

 

Bei der mittleren Holzpfeife lässt sich gut die doppeltlabiierte Bauform erkennen: der Rücken des Korpus‘ ist nicht massiv gebaut, sondern symmetrisch zur Vorderseite aufgebaut; die Pfeife wird also von zwei Seiten angeblasen. Das intensiviert das Ansprachegeräusch und den Klang. Rechts im Blick: eine Pfeife der Tuba mirabilis 8′.

 

Blick auf die Lade des Gedecktbass 8′ resp. 16′. Die schwarzen Kondukten versorgen die Pfeifen einzeln mit Wind; das gesamte Konstrukt steht laufend unter Wind. Diese Lade ist ein wenig ein Sorgenkind, da einzelne Magnete mittlerweile sehr (auch laut-)stark schlagen.

 

Eine Augenweide: die frisch von den Schreinern zurückgekommene, abgeschliffene und neu polierte Orgelbank.

 

 

 

 

 

18. Tag – Dienstag, 24. April

 

Zwischenzeitlich sind alle Labialstimmen im Hauptwerk bis zur Oktave 2′ gestimmt und es gibt nur noch einige wenige Details in der Anpassung der Intonation einzelner Pfeifen. Es ist sehr schön, die Orgel wieder klar und sauber zu hören!

 

Blick auf Gebläse und Gebläsemotor: im Normalfall ist die Klappe mit dem Luftfilter (weiß im Bild) geschlossen. Erschreckend: der neue Filter ist jetzt seit anderthalb Wochen in der Orgel eingebaut und schon wieder merklich angegraut (s.u.).

 

Blick auf den Filter, wie er sich nach gut zwei Wochen nach Einbau präsentiert: er wird schon wieder merklich grau. Eine Arbeitsgruppe ist bereits eingerichtet, in der diese Problematik behandelt und für die Zukunft nach Möglichkeit abgestellt werden soll.

 

Man vergleiche dieses Bild mit der Aufnahme des Hochdruckwerks (Beitrag vom 17. Tag): bemerkenswert, welchen Schmutz die Pfeifen nach hinten absorbieren bzw. welcher Dreck sich auch im Auxiliaire angesammelt hat. Zwischenzeitlich sind Rasterbretter und Pfeifenstöcke auch hier gereinigt, sodass dieses Bild rein dokumentarischen Charakter hat.

 

 

 

 

 

Addendum – Kirche in der Welt

 

In einem sehr schönen, informativen Artikel dokumentieren Martina Schürmann und Kerstin Kokoska in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung und in der Neuen Ruhr Zeitung die Arbeiten. Erfreulich, dass die Öffentlichkeit auch über die Kanäle der Funke Mediengruppe von dieser ganz besonderen Pflege der Musica sacra erfährt!

 

In der WAZ: Lehrling Karl Görnitz unterwirft sich der Spieltraktur der Hauptorgel

 

 

 

17. Tag – Montag, 23. April

Nach einem freien Wochenende für die Orgelbauer – sie werden auch am 1. Mai durcharbeiten, da der Zeitplan sehr eng getaktet ist – geht es mit der Reinigung des Auxiliaires weiter. Gleichzeitig beginnt an der Hauptorgel die Wiedereinstimmung und Angleichung der Intonation des Labialpfeifenwerks.

 

Blick ins Auxiliaire; zwischen dem hölzernen „Rahmen“ sind ansonsten die vertikalen Jalousien des Schwellers für das Hochdruckwerk (Tuba mirabilis 8′, Doppelflöte 8′ und Cornet 5f 8′) angebracht. Gut zu erkennen ist die extreme Enge im Auxiliaire, die u.a. leider dafür sorgt, dass das Cornet bei geschlossenem Schweller nicht zu verwenden ist, da sich die Pfeifen dann gegenseitig so beeinflussen, dass einzelne Töne arg verstimmt klingen. Hält man die entsprechenden Taste gedrückt und öffnet den Schweller (dies geschieht über einen Registerzug am Hauptspieltisch), stimmt plötzlich alles wieder in sich (vgl. auch Bemerkung zur isoliert stehenden Vox coelestis im Schwellwerk).

 

Von Registeranzahl und vom Rauminhalt her gesehen ist das Auxiliaire die kleine Schwester der Hauptorgel – hier sichtbar: die geöffnete Registersteuerung. Man darf sich allerdings nicht täuschen: die zwölf Register hinten können eine ähnliche Klangfülle erreichen wie die 57 Register vorne.

 

Genauerer Blick ins Hochdruckwerk des Auxiliaire. Wie hier schön sichtbar ist, musste im gesamten Auxiliaire jeder Kubikzentimeter Raum ausgenutzt werden, und trotzdem hat es nicht ganz gereicht: Gedecktbass 8′ (und seine Extension zum Gedecktbass 16′) sollte eigentlich über die gesamte Klaviatur, also bis c““, ausgebaut sein. Da vor Ort dafür allerdings kein Platz war, sondern sich lediglich die Pfeifen bis g‘, also bis zur Grenze des Pedalumfangs, in den Westbau schuhlöffeln ließen, lagern die überzähligen Gedecktpfeifen wohl noch heute am Vorarlberg.

 

 

 

 

 

16. Tag – Freitag, 20. April

Mittlerweile ruht auch das Auxiliaire; stattdessen kommt die kleine, aber feine und sehr klangstarke Truhenorgel von Henk Klop zu großen Ehren.

 

Blick von unten in das Auxiliaire; gut sichtbar die Ausgleichsbälge der Windversorgung.

 

 

Man vergleiche das Bild der noch ungereinigten Glaseinsätze des Auxiliaire mit den Aufnahmen nach der Ausreinigung der Hauptorgel – beeindruckend, wie der Schmutz gewütet hat!

 

Blick ins kleine Pfeifenlager im Westwerk, oberhalb der Kaiserloge.

 

Gegenüber des Priestersitzes steht nun die kleine Truhenorgel an akustisch optimaler Stellung und kann den Raum mit 8’4’2′ und Regal 8′ (voll ausgebaut) sowie 1 1/3′ (im Diskant) beeindruckend füllen.

 

 

 

 

 

15. Tag – Donnerstag, 19. April

 

Auch wenn wieder viele Pfeifen in der Orgel stehen, ist ein Spielen noch nicht möglich, da sie noch nicht gestimmt und wieder intoniert sind. Bei der Stimmung – die Orgel war gleichstufig gestimmt und wird auch so wieder eingestimmt – geht der Orgelbauer übrigens nach Gehör und nicht nach Stimmgerät vor: unterbewusste, minimalste Abweichungen beim Legen der Stimmung sorgen dafür, dass der Klang organisch wirkt und das Hören so sehr angenehm macht, während beim Stimmen stur nach Stimmgerät – immer ist die gleichstufige Temperierung mit also immer gleich großen Abständen zwischen den einzelnen Halbtönen das Ziel – der Klang gerne einmal ein wenig hart wirkt.

 

Blick vom Hauptwerk ins Positiv mit reizvollem Kontrast aus Vertikale (Pfeifenwerk, in diesem Fall Prinzipal 8′) und Horizontale (Schwellerjalousien). Die beiden Schweller mussten neu einreguliert werden und beim Schwellwerk eine Ölbremse nachbestellt werden: da hat dann der Verschleiß zugeschlagen.

 

Bad Bank: Schlüssel, Jeansnieten und anderes haben Spuren auf der Sitzfläche der Orgelbank hinterlassen. Sie wurde abgenommen, wird von externen Schreinern abgeschliffen und neu poliert. So ist ein Blick auf die handwerklich gut gearbeitete und im täglichen Einsatz stets störungsfreie Mechanik der Höhenverstellung („Merke: eine Orgelbank ist kein Personenlift“, wie es in der Freiburger Musikhochschule an einer Übeorgel hieß) möglich.

 

Detail einer Prinzipalpfeife, von oben nach unten: Oberlabium, Aufschnitt, Unterlabium, umrahmt von den Bärten.

 

Stein, Glas, Holz und Metall

 

 

 

14. Tag – Mittwoch, 18. April

 

Immer mehr Pfeifen stehen wieder im Gehäuse; Simon Wiggen von der Pressestelle des Bistums Essen fängt einige bewegte Bilder von der Ausreinigung ein:

 

 

 

 

 

13. Tag – Dienstag, 17. April

 

Die Gerüste sorgen für neue Perspektiven – allerdings nur für kurze Zeit: die Orgelbauer arbeiten so zügig, dass aber bereits ab Donnerstag das Gerüst im Chorraum wieder abgebaut werden kann. Gleichzeitig wird nach und nach auch wieder bereits gereinigtes Pfeifenwerk wieder in die Orgel eingebaut

 

Prospekt zum Chorraum hin mit von einer Fachfirma aufgebauten Gerüst. Gut sichtbar: die wieder durchsichtigen Lamellen der Gehäuseverkleidung – und die Fragilität des Pfeifenwerks: bei einer Kollision mit Gerüstteilen würden sie zweifellos den kürzeren ziehen.

 

Auxiliaire mit Gerüstkonstruktion. Nicht sichtbar: das Gerüst steht nicht auf dem Fußboden des Doms, sondern ist auf der Empore von Kaiserloge und Umgang errichtet und überspannt den Eingangsbereich.

 

Das Pfeifenlager im Vorraum leert sich zügig.

 

Gut sichtbar: Dieser Holzschied verläuft zwischen Mixtur major und Mixtur minor im Hauptwerk und verhindert (vgl. Bild der Streicher im Schwellwerk am 12. Tag) ein gegenseitiges Anziehen der Pfeifen.

 

 

 

 

 

12. Tag – Montag, 16. April

Während die Gerüste für den Prospekt zur Altarinsel und fürs Auxiliaire – da geht es dann in der nächsten Woche an die Arbeit – aufgebaut werden, ist Gelegenheit für einige Details der Domorgel.

 

Kontraste: fein ziselierte Handschrift der einzelnen Pfeifenstöcke im Schwellwerk begegnet den Schleifenzugmagneten der elektrischen Registertraktur. Hier sichtbar sind drei Streicher – bemerkenswert: die Vox coelestis 8′, das schwebend gestimmte Register dazu, steht auf der Zungenlade. So lassen sich Anziehungseffekte (ähnlich gestimmte Pfeifen „ziehen“ sich in gewissem Maße an und gleichen sich in der Stimmung an; bei einem schwebend gestimmten Register ist aber genau dieser Effekt nicht gewünscht) vermeiden.

 

 

Erstaunlicherweise sind im Diskant des Hauptwerks die Schleifladen umgekehrt gebaut wie im Bass (vgl. Beitrag von Samstag, 14. April): da sind die Teleskophülsen von oben auf die Schleifen angebracht. Rechts gut sichtbar: die Kondukten für das Cornet 5f. 8′ – fünffach bedeutet, dass nicht eine Pfeife pro Ton klingt, sondern fünf, in diesem Fall Grundton, Oktave, Quinte, Oktave und Terz.

 

Das Bild bietet leider nur eine schwache Wiedergabe des frischen Glanzes, in dem der Prospekt zur Empore hin wieder erglänzt: die Glasjalousien sind alle gesäubert, ebenso das Gehäuse und auch die Prospektpfeifen. Nur bei genauestem Hinschauen wird eine kleine Stelle an der siebten Pfeife von links sichtbar, die schon vor vielen Jahren eine arge Delle erlitten hat und nun aber – die Orgelbauer haben sie von innen bearbeitet – fast wieder wie neu ist.

 

 

 

 

 

And now for something complete different – Sonntag, 15. April

Mittlerweile ist der Spieltisch im oberen Teil wieder zugänglich und teilweise neu lackiert; da das Pedal ebenfalls neu lackiert wird, ist es an diesem Wochenende des dritten Sonntags der Osterzeit allerdings nicht zu verwenden. Optisch durchaus gewöhnungsbedürftig!

 

Blick auf die Beine des Domorganisten, auf die Koppelmaschine des Pedals, die grün befilzten Stecher der Pedaltraktur – und in das gefühlt anderthalb Meter tiefe Loch, in das der Spieler bei ungeschickter Bewegung von der Orgelbank zu stürzen droht.

 

 

 

 

 

11. Tag – Samstag, 14. April

Nun waren schon viele Einzelheiten und Details der Domorgel sichtbar – seit der Erbauung definitiv zum ersten Mal wieder zugänglich aber präsentieren sich heute einige Registerschleifen, bei denen Messungen an der elektronischen Registersteuerung ergaben, dass sie schwergängig sind: durch Ausbau der Pfeifenstöcke sind sie zugänglich und werden auf der Empore mit flüssigem Graphit behandelt, sodass sie zukünftig wieder leicht von den Registerzugmagneten zu bewegen sind.

 

Schleifen mit ihren Löchern auf dem Emporenboden liegend: ist das Register gezogen, geben also die Öffnungen den Wind in den entsprechenden Tonkanzellen frei, erklingen die Pfeifen.

 

Hier sichtbar der geöffnete Pfeifenstock (seitlich, aufrecht stehend der Oberteil): die Teleskophülsen (grau) sorgen mit ihrem Federdruck dafür, dass die Schleifen möglichst dicht am oberen Pfeifenstock anliegen und sich dennoch bewegen können; die Schleifen verlaufen quer im Bild und geben je nach Stellung der Registerzugmagnete den Wind aus den Bohrungen unten nach oben zu den Pfeifen frei – oder eben nicht.

 

Detailaufnahme vom Pfeifenstock des aufgebänkten, also im Vergleich zu den weiteren Registern erhöht stehenden Cornet 5f 8′ im Hauptwerk: Hier ist schön sichtbar, dass auch die Windversorgung dieses Registers in der Hauptwerkslade liegt: über schwarze Kondukten (unten schwach sichtbar) werden diese Pfeifen mit Wind versorgt; Schleifen und Schleifenzugmagnete liegen auf einer Ebene mit allen weiteren Registern.

 

Eine der gläsernen Jalousien, gehalten vom Montageleiter von Orgelbau Rieger: eigentlich ist dieses Glas blau und lichtdurchlässig (s. Bild oberhalb) – für eine anstehende gründliche Schmutzuntersuchung durch ein wissenschaftliches Institut aber ist diese Jalousie im Zustand vor der Reinigung belassen. Dieser ganze Dreck war so praktisch überall in der Orgel zu finden.

 

 

 

 

 

10. Tag – Freitag, 13. April

Die Orgelbauer reinigen von oben nach unten durch und sind auf der untersten Ebene der Hauptorgel angekommen – auch werden schon wieder die ersten, frisch gereinigten Pfeifen eingebaut.

 

Hinter dem Spieltisch (nicht im Bild, rechts): Hier kreuzen und verteilen sich die Trakturen zum Hauptwerk (ganz vorn im Bild, von unten nach oben führend), Positiv (dahinter, nach links aus dem Bild herausführend), Schwellwerk (diagonal dazu) und Pedal (im Hintergrund, ganz unten). Wunderschön: die Ästhetik der Konstruktion.

 

Nachher: Staub und Schmutz sind entfernt, die Rasterbretter wirken wieder fast wie neu (rechts: die Schubstangen der Schleifenzugmotoren)

Vorher: üble Verschmutzungen der Rasterbretter sowie des Pfeifenwerks (auf den Kernen sieht es ja nicht besser aus)

 

Die Pfeifen des Prinzipal 16′ im Pedal sind in der unteren Quinte aus Holz gebaut und liegen auf den Gehäusen von Positiv (im Blick unten, mit horizontalen Schwelljalousien) und Schwellwerk. Jeden freien Kubikzentimeter Raum ausnutzend, sind sie gekröpft, also „um die Ecke gebaut“; rechts im Bild, hinter den Bechern der Trompete 16′ aus dem Hauptwerk, sind die hölzernen Stimmschieber der Pfeifen sichtbar.

 

 

 

 

 

9. Tag – Donnerstag, 12. April

Schaltzentrale – zweiter Teil: der Spieltisch mit seinen vier Manualen (davon die drei unteren mit mechanischer Traktur, das vierte, über das das Auxiliaire angesteuert wird, elektrisch mit Druckpunktsimulation) wird gereinigt. Das ergibt verwirrende Perspektiven – wann sieht man schon einmal das Gewölbe von innerhalb einer Orgel?

Tücken der Perspektive: die Leiste mit den Tastern und Displays ist ansonsten über dem vierten Manual und unter dem Notenpult (links im Bild, das schräg abwärts führende Holz) angebracht. Dahinter sichtbar die vertikalen Drawstops der Register; unterhalb die Wellen der Koppelmechanik.

 

Spieltisch von vorn – an der Stelle des Notenpults gut sichtbar die Traktur zum Hauptwerk; unter den Schwelltritten die grün befilzten „Abnehmer“ der Pedaltraktur

 

Detailaufnahme der Registerstaffel auf der linken Seite (Pedal und Hauptwerk) – wäre die Registertraktur ebenfalls mechanisch angelegt, würden die Manubrien statt in dünne Kabelbäume in ein komplexes Geflecht von Registerzugstangen etc. führen

 

Ansonsten räumlich weit getrennt, aber über die schlicht genial konstruierte, komplex aufgebaute Traktur unmittelbarst miteinander in Verbindung stehend: das aufrecht stehende Pedal und einige Pfeifen des Positivs, heute einmal sehr nahe beisammen

 

 

 

 

 

8. Tag – Mittwoch, 11. April

Schaltzentrale – erster Teil: während die Spieltraktur der Orgel teilweise mechanisch, teilweise (Ansteuerung des Auxiliaire, Oktavkoppeln, Manualkoppeln auf Wunsch sowie einige elektrisch angesteuerte Register) elektrisch angelegt ist, läuft die Registertraktur komplett elektronisch. Es ist ein eigenartiges Bild, vor Technik (in ihren Grundzügen auf die 90er zurückgehend) zu stehen, die viel Platz einnimmt und dabei vermutlich nicht einmal einen Bruchteil der Rechenkapazität eines modernen Smartphones hat.

 

Der geöffnete Schaltschrank der Registertraktur mit den einzelnen Karten für die Register; er ist so gut gedämmt, dass man erst ohne Füllung hört, welche Kühlleistung die Elektronik stetig fordert.

 

Auch bei ausgeschaltetem Gebläse der Hauptorgel aktiv ist die Registertraktur – die Funktionstüchtigkeit wird durch die LEDs angezeigt

 

Stromversorgung und rückseitige Verkabelung der Registertraktur

 

 

 

 

 

7. Tag – Dienstag, 10. April

Die geöffneten Windladen geben Einblick in die „Eingeweide“ der Orgel – und die schiere Schönheit der Konstruktion.

 

Die geöffnete Windlade des Positivs. Gut zu erkennen sind die Ventile mit Ventilfedern sowie, halb von der Holzleiste verdeckt, die kleinen Bälgchen (einer pro Ton) der Balanciers, also der „Servohilfe“ beim Spielen, sowie die Magnete für die elektrische Ansteuerung (Oktavkoppeln sowie, auf Wunsch, Normalkoppeln)

 

Längs im Bild (bzw. quer zu den Pfeifenstöcken) verläuft die Registeransteuerung des Pedals, hier gut sichtbar die Schleifenzugmagnete – während die Spieltraktur der Domorgel in der Hauptorgel mechanisch angelegt ist (bis auf die erwähnten Oktavkoppeln und die Möglichkeit, die Manualkoppeln auf Wunsch ebenfalls elektrisch anzusteuern) und so ein sehr sensibles Musizieren erlaubt, ist die Registertraktur rein elektrisch angelegt – für den täglichen Gebrauch ist das äußerst angenehm, da eine leichte Bewegung aus den Fingern genügt, um das gewünschte Register zu ziehen bzw. abzustoßen.

 

Das ist kein Fehler im Layout: die tiefsten Pfeifen der Orgel (Untersatz 32′ in der unteren Oktave; ab c0 als Extension aus dem Subbass 16′) liegen tatsächlich quer. Bemerkenswert bei diesem Register: das setzt sowohl dem vollen Werk nochmals eine weitere Dimension auf (bzw. eher unter) und kann aber auch zarteste Pianissimo-Klänge begleiten.

 

 

 

 

 

6. Tag – Montag, 9. April

Am Wochenende schwieg die Hauptorgel, damit die Orgelbauer an den Windladen arbeiten können. Das gibt Gelegenheit zu einem Blick auf das Gebläse, einen Langsamläufer der Firma Laukhuff/Weikersheim.

 

Das Gebläse, rechts der Motor, links der Ventilator, davor Elektronik zur Motorabschaltung (2014 eingebaut, links) und Sicherungsschalter der Elektrik (rechts). Diese Kammer ist komplett mit Schaumstoff ausgeschlagen, damit so wenig Geräusch als möglich nach außen tritt; lediglich die Klappe zum Filter (rechts) und das Holz des Windkanals (mittig) sind frei sichtbar.

 

 

 

 

 

5. Tag – Samstag, 7. April

Mittlerweile sind auch die Labialpfeifen des Schwellwerks ausgeräumt.

 

Das ausgeräumte Schwellwerk – im Vordergrund sichtbar: die Zungenregister mit den klangbeeinflussenden Deckeln. Sehr gut zu erkennen ist der Aufbau einer Tonkanzellenlade: in Längsrichtung stehen alle Pfeifen nach Tonhöhe geordnet, in Querrichtung (entsprechend den Pfeifenstöcken) der Klangfarbe nach.

 

 

Detail: die Überblaslöcher der Traversflöte 4′ des Schwellwerks – das Register überbläst wie eine Querflöte in die obere Oktave

 

 

 

 

 

4. Tag – Freitag, 6. April

Mittlerweile sind auch viele Pfeifen von Hauptwerk und Pedal ausgebaut; bemerkenswert, dass im Hauptwerk ausschließlich Metallpfeifen verbaut wurden (zum Vergleich: das Pfeifenwerk der romantischen Sauer-Orgel im Berliner Dom besteht zum überwiegenden Teil aus Holz).

So besteht Gelegenheit, in den folgenden Tage den Blick auf die unterschiedlichsten Details zu lenken.

 

Gut gefüllt: Das Pfeifenlager auf der Empore – im Vorraum sieht’s nicht weniger voll aus

 

 

Blick auf das teilweise ausgeräumte Hauptwerk. Sehr schön sichtbar rechts, vor den Schallbechern von Trompete 16′ und 8′: die Pfeifenstöcke der beiden Mixturen, bei denen nicht eine Pfeife pro Ton erklingt, sondern gleich mehrere

 

 

 

 

 

3. Tag – Donnerstag, 5. April

Im ausgeräumten Positiv geht’s mit einem starken Staubsauger los; parallel dazu werden die Seitenwände und Füllungen des Gehäuses gereinigt. Bei diesem Schmutzfilm hilft nur praktisch unverdünntes Viss.

 

Tonerzeugung mal anders: nicht Pfeifen, sondern Staubsaugerklänge im Positiv. Gut sichtbar: gerade sind die Schwellklappen geschlossen. Die vertikal aufragenden Stifte tragen im Normalfall die Rasterbretter, die ihrerseits wiederum den Pfeifen Halt geben.

 

 

Keine optische Täuschung und kein Schattenwurf: alle Felder und Täferungen sind gereinigt, lediglich die ganz links oben ist noch unbehandelt und zeigt sich so wie die gesamte Seite bis zur Ausreinigung

 

 

 

 

 

2. Tag – Mittwoch, 4. April

Empore und Emporenvorraum sind für die Ausreinigung eingerichtet und die ersten Pfeifen werden aus dem Positiv, dem zweiten Manual der Hauptorgel, ausgebaut.

 

Die ersten Pfeifen des Positivs sind ausgebaut

 

 

Gut bewacht vom Epitaph stehen größere Pfeifen an der Wand; im Vordergrund sichtbar Rasterbretter des Positivs: sie geben den Pfeifen Halt

 

 

Arbeitsplatte der Orgelbauer; rechts sieht man schon die ersten Pfeifen in den Fächern liegen

 

 

 

 

 

1. Tag – Dienstag, 3. April

Die Orgelbauer sind mit einem großen Mietwagen, ihrem Werkzeug, viel Verpackungsmaterial (zur Lagerung der Pfeifen) und natürlich großen Koffern für die sechs Wochen auf Montage hier im Ruhrgebiet angekommen.