• XXX 3
  • XXX 3
  • XXX 3

Nachruf: Heino Schubert verstorben

Essener Dommusik und Essener Domkapitel trauern um ihren ehemaligen Domorganisten.


Am Samstag, 18. August 2018 ist der ehemalige Essener Domorganist, Dozent für Tonsatz an den Musikhochschulen in Köln und Essen und Professor für Musiktheorie und Tonsatz an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Heino Schubert verstorben.

 

Am Freitag, den 14. September 2018 wird er beigesetzt. Er prägte das kirchenmusikalische Leben im Ruhrbistum einerseits durch seine Tätigkeit am Essener Dom bis zum Jahre 1981, andererseits und bis heute fortwirkend durch sein pädagogisches und kompositorisches Schaffen: ungezählte Kirchenmusiker haben sich durch ihn zu diesem Beruf motivieren lassen und wurden von ihm ausgebildet. Seine Kompositionen sind bis heute fest im Kanon des Musizierens in Gemeinde wie Chor verankert – allen voran zu nennen ist die „Paulus-Messe“, die auch Aufnahme ins neue Gotteslob gefunden hat: mit diesem ersten durchkomponierten Messordinarium in deutscher Sprache hatte er vor über 50 Jahren Pionierarbeit geleistet. Auch an der Herausgabe der ersten beiden Ausgaben des Buches „Halleluja – 77 Lieder für den Kindergottesdienst“ 1972 und „Halleluja – Liederbuch für junge Christen“ 1976 hatte er u.a. mit eigenen Kompositionen entscheidenden Anteil.

 

Heino Schubert, 1928 geboren und aufgewachsen im schlesischen Glogau, erhielt seinen ersten Musikunterricht im Alter von sechs Jahren und wurde von seiner ersten Lehrerin noch im Kindesalter zu erstem Komponieren motiviert. Seine frühe kirchliche Prägung wirkte stärker als die Lockungen des Nationalsozialismus’, sodass die Liebe zur Kirchenmusik und zur Orgel blieben; irgendwie gelang es, selbst die Wirren der letzten Kriegsjahren samt anschließender Vertreibung der Familie zu musikalischen und kompositorischen Studien zu nutzen. Bereits im Jahre 1947 an der neu gegründeten Detmolder Musikhochschule eingeschrieben, studierte Schubert anfänglich Chorleitung, bevor er in die Orgelklasse von Prof. Michael Schneider aufgenommen wurde. Bald schon auf nebenberuflicher Stelle sowie als Lehrbeauftragter an der „Detmolder Musikakademie“ beschäftigt, studierte er weiterhin bald neben Kommilitonen wie Gerd Zacher und Juan Allende-Blin in die Kompositionsklasse von Günter Bialas. Nach einem kurzen Intermezzo als Musiklehrer studierte er Kirchenmusik-A sowie – bei Harald Genzmer – Komposition an der Freiburger Musikhochschule und trat unmittelbar im Anschluss eine Stelle an der Jesuitenkirche in Heidelberg an. Allerdings beschränkte sich sein Schaffen im Berufsleben nie auf nur eine Tätigkeit: bereits im ersten Jahr in Heidelberg erhielt er ein Stipendium der Villa Massimo in Rom, unterrichtete bald in Remscheid und komponierte – stets anlassbezogen – für die unterschiedlichsten Auftraggeber.

 

1961 vom frisch errichteten Essener Domkapitel zum Domorganisten berufen, erfuhr sein Leben eine neue Prägung in der Fragestellung zwischen gottesdienstlichem und konzertantem Musizieren, in der Thematik einer Erneuerung des Kirchenlieds und im praktischen Musizieren in Improvisation und künstlerischem Orgelspiel. Dazu kamen Veröffentlichungen in der diözesanen Schrift „Musik im Gottesdienst“ sowie eine Chorleitertätigkeit beim Johannes-Damascenus-Chor. Von offener Persönlichkeit – seine Orgelempore stand jedem Kind offen – konnte er vom jüngsten Domsingknaben bis hin zu Studierenden an der Folkwang-Hochschule ungezählte Menschen für Kraft und Schönheit der Kirchenmusik begeistern. In diese Essener Zeit fallen auch die bedeutenden seiner Kompositionen, ob nun im Gemeindelied oder im chorischen Schaffen, in dem er etwa den Essener Domsingknaben so manches Werk „auf den Klangkörper“ schrieb. Diese Werke qualifizieren Heino Schubert damals wie heute zu einem der wichtigsten Protagonisten der Kirchenmusik im 20. Jahrhundert und legen in ihrer eigentümlich herb-musikantischen Tonsprache Zeugnis ab von einem Komponisten, dem es im Schreiben immer um Inhalt und Handwerk, nie aber um vordergründigen Effekt oder beifallheischende Gefälligkeit ging. Es scheint die These nicht zu kurz gegriffen, dass ohne sein Schaffen ein Großteil seither entstandener deutschsprachiger Messkompositionen undenkbar wäre, so sehr ging er neue, prägende Wege im Wort-Ton-Verhältnis, in der Behandlung des Rhythmus’ und in einer liturgisch empfundenen Tonsprache. Auszeichnungen wie der Rompreis der Villa Massimo, der Kompositionspreis des Kulturkreises im BDI 1964, 1988 der Ostdeutsche Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen oder der Johann-Wenzel-Stamitz-Preis 1992 ziehen sich wie ein roter Faden durch seine Schaffenszeit.

 

Durch gesundheitliche Probleme motiviert beendete Heino Schubert auf eigenen Wunsch seine Tätigkeit im Ruhrbistum und trat eine Professur für Musiktheorie und Tonsatz an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz an, konnte aber so ganz von der Orgel nicht lassen: bis zum vorzeitigen Ruhestand im Jahre 1991 unterrichtete er auch noch einige Jahre liturgisches Orgelspiel. Für das Bistum Essen komponierte er zum Papst-Besuch 1987 die Hymne „Gaude, mater ecclesia“ anlässlich der Eucharistiefeier mit Papst Johannes Paul II. im Gelsenkirchener Parkstadion. Nicht nur dadurch brachte er seine Verbundenheit mit dem Ruhrbistum weiterhin zum Ausdruck. Der Ruhestand im westfälischen Senden stand bis kurz vor seinem Tode noch unter jenem Leitspruch, der wie wohl wenig dieses Leben für die Kirchenmusik beschreibt:
Mein innerer Raum ist in der Kirche.

 

Die Essener Dommusik trauert um einen ihrer prägenden Protagonisten und ist dankbar, mit ihm einen Menschen und Musiker in ihren Reihen zu wissen, der die nachkonziliare Kirchenmusik geprägt hat wie kaum ein anderer. Sein Schaffen wird noch viele Jahre in Gottesdienst und Konzerten im Essener Dom nachklingen.

Im Kapitelsamt am Sonntag, 16. September um 10.00 Uhr gedenken Domkapitel und Dommusik ihres ehemaligen Domorganisten, nicht zuletzt mit Werken aus seiner Feder.

 

Für die Essener Dommusik
Sebastian Küchler-Blessing, Domorganist
Harald Martini, Leiter der Essener Domsingknaben
Prof. Raimund Wippermann, Leiter des Mädchenchors am Essener Dom
Jörg Stephan Vogel, Leiter des Essener Domchores

Für das Essener Domkapitel
Dompropst Msgr. Thomas Zander
Domzeremoniar Msgr. Dr. Michael Dörnemann