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Musikalisches Abendgebet | 19.04.2019

Musikalisches Abendgebet am Essener Dom mit den Essener Domsingknaben und Domorganist Sebastian Küchler-Blessing

Am Mittwoch, 17.4.2019 musizieren die Essener Domsingknaben zusammen mit Domorganist Sebastian Küchler-Blessing um 19 Uhr im Essener Dom anlässlich des musikalischen Abendgebetes in der Karwoche. Sie werden zu hören sein mit Benjamin Brittens Vertonung „Deus in adjutorium meum“ und dem „Via Crucis“ von Franz Liszt.

Sänger Emiel Kowol hat zum tieferen Verständnis der Musik die nachfolgenden Beschreibungen verfasst. Sie sind herzlich eingeladen, an diesem Abend in den Dom zu kommen und sich diese fantastische Musik selbst anzuhören.

Im Jahr 1945 komponierte Benjamin Britten (1913–1976) sein „Deus in adjutorium meum“ . Diese Vertonung des 70. Psalms auf lateinischer Sprache, der als Eröffnungsvers im Stundengebet der Kirche verwendet wird, verarbeitet den dramatischen Psalmtext sehr verschiedengestaltig und leidenschaftlich. Der Sprecher beklagt Unheil und Unrecht, die über ihn gekommen sind, und vertraut doch darauf, dass Gott allen beisteht, solange sie ihn nur suchen

Emiel Kowol – 2019


Der gläubige Katholik Liszt, der sich 1865 in Rom zum Abbé weihen lies und seine letzten Lebensdekaden nahezu ausschließlich der geistlichen Musik widmete, komponierte seine vokale Fassung des Kreuzweges 1878/79 in Budapest und Rom. Dort wurde er beim Beten des Kreuzweges im Kolosseum zur Komposition angeregt.
Eingerahmt ist die Betrachtung des Leidens und Sterbens Christi am Kreuz durch den gregorianischen Hymnus „Vexilla regis“, von dem zwei Strophen in einem einleitenden Satz verarbeitetet werden. Die folgenden 14 Sätze sind den 14 Stationen des Kreuzweges nachempfunden.
Zitaten aus den Passionsberichten in lateinischer Sprache, der Beginn des „Stabat mater“, gregorianischer Choral und Bearbeitungen der evangelischen Kirchenlieder „O Haupt voll Blut und Wunden“ und „O Traurigkeit, o Herzeleid!“ stehen sich gegenüber.
Aber nicht nur die Textquellen auf lateinischer und deutscher Sprache sind verschieden. Auch mischt Liszt instrumentale und vokale Teile, Chor und Solorezitativ, dreistimmigen Knabenchor („Stabat mater“) und Männerstimmenunisono (bei den Crucifige-Rufen und den expressiv vorgetragenen Hinweisen auf den Fall Jesu). Bildhafte musikalische Darstellungen und meditative, sphärische Klänge wechseln sich ab. Liszt mischt alte Stile (Gregorianik und protestantischen Choral) mit einem ganz eigenen sehr reduzierten Stil, der sich sparsamer Mittel, wenigen Noten und einer gewollt unvirtuosen Kargheit bedient und die Dissonanz und Atonalität Arnold Schönbergs vorzuahnen scheint. Aber auch expressive spätromantische Harmonik findet Einsatz. In der 6. Station ertönt einer der Choräle. Liszt weißt mit der Tonfolge b, a, c, h (Bach), die er vor den Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ setzt, auf eben diesen hin. Und der Choral klingt auch ganz so, als wäre er fast unverändert aus Bachs Matthäus-Passion übernommen. In Wahrheit stammt jedoch keine einzige Note von dort. Bei der letzten Station „Ave crux“ beschließt die Orgel mit einer leisen aufwärtsweisenden Bewegung und deutet so bereits auf Ostern hin.
Das gesamte Werk scheint uneinheitlich zu sein und sich einer eindeutigen Bestimmung und Greifbarkeit entziehen zu wollen. Und eben so soll es sein. Es geht um die existenzielle Frage des Todes, um Meditation über das Leiden und Sterben Jesu, das Hadern mit dem Glauben. Kurz: Um die Geheimnisse des Kreuzweges, welche sich einer eindeutigen Greifbarkeit ebenso entziehen.

Emiel Kowol – 2019

Musikalisches Abendgebet – 19.04.2019, 19 Uhr im Essener Dom

Essener Domsingknaben und Domorganist Sebastian Küchler-Blessing